Zitat des Monats

“Nur der Schwache wappnet sich mit Härte; der Starke kann sich Toleranz, Verständnis und Güte leisten." (Dr. Tilly Boesche-Zacharow, dt. Schriftstellerin; *1928)

Jahrzehntelang mussten sich Führungskräfte die Leitvokabeln "Knallhart", "Ellenbogen", "Erfolg" oder "Vollgas" als Grundsatz und Forderung in Ihre Stellenbeschreibungen diktieren lassen. Wer kein Wolf sein wollte, war eben Schaf. Wer innehielt, war schuld am sofort drohenden Rückschritt. Wer Führung als Kompetenz, als systematischen Methodik- und Kommunikations-Werkzeugkasten sah, war eben ein Loser und leistete sich einen gefährlichen Kuschelkurs.

Insgesamt gesehen eigentlich ein Segen, dass immer mehr Führungskräfte vom Mehdorn-Format sich in sichtbar hilflose Jobhopper-Hektik flüchten müssen, Schleckers Bezirksleiter und ihre versteckten Kameras per Abstimmung mit den Füßen vom Kunden ins Abseits verwiesen werden und Manager mit unreflektierter Ackermann-Philosophie endlich an nickenden, gläubig dreinschauenden Followern verlieren.

Als gezielte (Auto)Suggestion entlarvt sind Erfolgs-Beseeltheit, Power, Leistung aus Leidenschaft, steter Blick nach vorn, schnelles, rauschhaftes Wachstum. Und als Täuschungsmanöver demaskiert hat man nun Gott sei Dank Forderungs-Vokabeln wie "Flexibilität", die oftmals den Mangel an klaren Zielen im Kopf des Fordernden verdecken sollte oder "Veränderungsbereitschaft", das als Forderung an Belegschaften oft genug die Unsortiertheit der Führungskraft in Sachen Firmenleitbild zu verdecken hatte.

Management-Medien berichten nun von Langzeit-Studien die zeigen, dass nicht die Unternehmen erfolgreich sind und bleiben, die mit allen Mitteln nach immer mehr Erfolg streben, sondern diejenigen, die eine langfristige Vision haben und die zugleich planvoll Verluste an KnowHow und Kapital zu verhindern wissen. Die Renaissance erfolgreichen Führens als authentischem, zur Reife entwickeltem Können und als menschliche Qualität, verstärktes Auftauchen von Seminarthemen wie "Innehalten als Managementkompetenz" und die Rehabilitierung von Klarheit, Nachdenken und bewusst auch einmal defensivem Entscheidungsverhalten zeigen, dass das bislang blind vorwärtsdrängende Vollgaswirtschaften reif für die Ablösung ist.

Mut zeigt in diesem Paradigmenwechsel, wer Erfolg in Form von Kennziffern als Selbstzweck nicht länger akzeptiert. Unternehmerische Besonnenheit beweist, wer dafür sorgt, dass die Ergebnisse unternehmerischen Handelns allen beteiligten Akteuren dienen, nicht nur den Shareholdern. Wer das als Alltags-Leitschnur von Managementhandeln entdeckt, macht allem Anschein nach nicht nur sein Unternehmen erfolgreicher, sondern sich selbst und das eigene Leben. Höchste Zeit also, den verbliebenen Wölfen den Weg zurück in den Wald zu weisen.

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